Implementierung von BNE
BNE ist die Abkürzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung. Gemeint ist eine Bildung, die Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt. Sie ermöglicht jedem Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen.
Bundesministerium für Bildung und Forschung, zuletzt aufgerufen am 28.04.2026
Die Vereinten Nationen definierten 2015 mit dem Unterziel 4.7. der Nachhaltigkeitsziele BNE erstmals als eigenständiges Handlungsfeld. Bis 2030 soll sichergestellt werden, "dass alle Lernenden die für nachhaltige Entwicklung notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung" (Bundesministerium für Bildung und Forschung, zuletzt aufgerufen am 28.04.2026). Für die Hochschulbildung bedeutet BNE, "Nachhaltigkeit mit all ihren Facetten zu erfassen und Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung zu erkennen und zu beurteilen, um im Lebens- und Berufsumfeld verantwortlich und zukunftsorientiert handeln zu können" (Leitfaden DG HochN, S. 19). So ergeben sich in den Disziplinen neue Perspektiven auf Forschungsthemen und Impulse für eine methodische Weiterentwicklung der Lehre (vgl. Leitfaden DG HochN, S. 19).
Hochschulen haben eine besondere Verantwortung, die Bildung für nachhaltige Entwicklung und die Forschung an zukunftsrelevanten Themen zu unterstützen, denn sie bilden Expert*innen aus, die wichtige Multiplikator*innen der Gesellschaft sind. "Wenn es gelingt, Bildung für nachhaltige Entwicklung als Querschnittsthema in der Lehre zu vermitteln, kann das ein starker Hebel für gesellschaftlichen Wandel sein." (Bundesministerium für Bildung und Forschung, zuletzt aufgerufen am 28.04.2026).
Die 17 Fakultäten der TU Dortmund bieten 79 Bachelor- und Masterstudiengänge aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie den Gesellschafts- und Kulturwissenschaften an (Stand 2024, vgl. Zahlen, Daten, Fakten 2024, S. 5). Einige dieser Studiengänge gehen explizit auf Nachhaltigkeitsthemen ein. Es gibt z. B. Lehrangebote zu nachhaltiger Raumentwicklung, ressourceneffizientem Bauen, Energieeffizienz, Elektromobilität sowie zu Teilhabe, Inklusion und Diversität. Im Sommersemester 2025 und Wintersemester 2025/26 fanden in Summe 7.754 Lehrveranstaltungen statt. Davon beschäftigten sich 393 Veranstaltungen explizit mit Nachhaltigkeit bzw. nachhaltiger Entwicklung. Damit lag der Anteil von Lehrveranstaltungen zu Nachhaltigkeitsthemen an der TU Dortmund bei ca. 5 %.* Bei der Ermittlung des Nachhaltigkeitsanteils wurde nicht nach den BNE-Integrationsleveln unterschieden. Der HochN-Leitfaden „Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Hochschullehre“ (vgl. HochN-Leitfaden Lehre 2020, S. 50 ff.) unterscheidet drei Integrationslevel zur Einordnung von Lehrveranstaltungen nach ihrem Grad der Nachhaltigkeitsorientierung:
- Level A: Nachhaltigkeit als ergänzendes Thema innerhalb eines Fachkontexts; Fokus auf Wissensvermittlung.
- Level B: Nachhaltigkeit als Fokusthema; fachliche Inhalte werden kritisch im Hinblick auf gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Aspekte reflektiert.
Level C: Nachhaltigkeit als übergreifendes Prinzip; Lehr-Lern-Prozess fördert Gestaltungskompetenzen und transdisziplinäre Zusammenarbeit.
Diese Level dienen nicht der Bewertung, sondern als Orientierungsrahmen, um Lehrangebote systematisch zu analysieren und weiterzuentwickeln, etwa bei der Konzeption neuer Module für das studium oecologicum oder in Workshopformaten mit Lehrenden zur Integration von Nachhaltigkeit in deren Lehrveranstaltungen.
*Die Gesamtzahl der Veranstaltungen wurde in LSF in der Rolle "Studierende" ermittelt nach Veranstaltungsart und Semester. Bestimmte Veranstaltungsarten wie z. B. "Klausuren" oder "Schulpraktikum" wurden nicht mitgezählt. Als nachhaltige Veranstaltungen wurden gezählt:
1. Alle Veranstaltungen aus dem studium oecologicum im SoSe 25 (40) und im WiSe 25/26 (46) [Für die Grafik wurden die Veranstaltungen nach Bereichen dargestellt und daher teilweise doppelt gezählt: SoSe 25: (42) und WiSe 25/26 (49), vgl. Grafik unten.]
2. Veranstaltungen im LSF wurden nach Schlagworten durchsucht: SoSe 25 (134) und WiSe 25/26 (173) (Veranstaltungen aus den Modulen des studium oecologicum wurden bereits abgezogen. Für eine Liste der Schlagworte vgl. das Kapitel Berichtsgrundlage.)
Nachhaltigkeitszertifikat studium oecologicum
Mit dem studium oecologicum wird seit dem Wintersemester 2021/22 an der TU Dortmund ein Nachhaltigkeitszertifikat angeboten, das Studierende aller Fachrichtungen zusätzlich zu ihrem Studienabschlusszeugnis erlangen können. Dafür müssen sie mindestens drei Module mit insgesamt 10 Leistungspunkten aus dem “Modulkatalog” des Zertifikats belegen. Seit dem Start des Zertifikats wurden über 100 Zertifikate ausgestellt und über 500 Studierende* erreicht (Stand April 2026).
*Die Anzahl der erreichten Studierenden wurde anhand der fürs Zertifikat eingereichten Nachweise über erfolgreich abgeschlossene Veranstaltungen ermittelt.
Die angebotenen Module gliedern sich in die fünf Themenbereiche Bildung, Gesellschaft, Naturwissenschaft und Technik, Ökonomie sowie Raum und Bau. Das Zertifikat besteht aus einem interdisziplinären Grundmodul, einem Vertiefungsmodul aus dem eigenen Fachbereich sowie einem Vertiefungsmodul aus einem fremden Fachbereich. So entsteht die Möglichkeit, das Thema Nachhaltigkeit intra-, inter- und transdisziplinär zu betrachten.
Als interdisziplinäres Grundlagenmodul des studium oecologicum wird jedes Wintersemester die öffentliche Ringvorlesung Klima: Wandel, Werte, Wissenschaft mit Beiträgen von internen und externen Forschenden angeboten. In Zusammenarbeit von freiwillig engagierten Studierenden, Lehrenden aus dem Bereich Klinische und Biologische Psychologie, dem Spatial Modelling Lab und dem Nachhaltigkeitsbüro wurde die Summer School for Sustainability entwickelt, die im SoSe 2024 das erste Mal angeboten und mit dem Lehrpreis der TU ausgezeichnet wurde. Sie ist ein englischsprachiges Grundlagenmodul für das Zertifikatsprogramm und hat das Ziel, ein Nachhaltigkeitsbewusstsein in die Perspektive der Teilnehmenden für ihr tägliches und berufliches Leben zu integrieren. Die zweite Summer School for Sustainability wurde 2025 als Zusammenarbeit der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) realisiert. 2026 wird keine Summer School angeboten, es wird aber daran gearbeitet zukünftig wieder ein englischsprachiges Grundlagenmodul anbieten zu können und so den Abschluss des studium oecologicum auf Englisch zu ermöglichen. Im Rahmen UA Ruhr werden die Zertifikate gemeinsam durch die Koordinator*innen weiterentwickelt und Veranstaltungen für Studierende der kooperierenden Hochschulen geöffnet.
Interaktive Grafik. Quelle: Nachhaltigkeitsbüro/TU Dortmund
Es ist ein gruppiertes Balkendiagramm dargestellt. Das zeigt die Anzahl an Veranstaltungen, die im Rahmen des studium oecologicums im Sommersemester 2025 und Wintersemester 2025/2026 verfügbar waren. Diese gliedern sich in sechs Bereiche: Grundlagen, Ökonomie, Bildung, Gesellschaft, Raum & Bau wie Naturwissenschaft & Technik.
Im Sommersemester 2025 gab es insgesamt 42 Kurse. Diese waren folgendermaßen aufgeteilt:
- 2 Grundlagenmodule
- 11 im Bereich Bildung
- 4 im Bereich Gesellschaft
- 4 im Bereich Ökonomie
- 7 im Bereich Raum & Bau
- 14 im Bereich Naturwissenschaften & Technik
Im Wintersemester 2025/2026 gab es insgesamt 49 Kurse. Diese waren folgendermaßen aufgeteilt:
- 1 Grundlagenmodul
- 15 im Bereich Bildung
- 3 im Bereich Ökonomie
- 10 im Bereich Gesellschaft
- 10 im Bereich Raum & Bau
- 10 im Bereich Naturwissenschaften & Technik
Lehrkräfteausbildung
Einen hohen Stellenwert bei der Implementierung von BNE im Sinne der Ausbildung von gesellschaftlichen Multiplikator*innen hat die Lehrkräfteausbildung an der TU Dortmund. Die TU Dortmund ist einer der größten Lehrer*innenbildungsstandorte in Nordrhein-Westfalen und das Studienangebot ist vielfältig. Im Wintersemester 24/25 waren 7.358 Studierende (Stand 2024, vgl. Zahlen, Daten, Fakten 2024, S. 25) in den Lehramstudiengägnen eingeschrieben, was bei 29.693 Studierenden insgesamt (Stand 2024, vgl. Zahlen, Daten, Fakten 2024, S. 16) einen Anteil von fast 25 % entspricht. Durch das Dortmunder Kompetenzzentrum für Lehrkräftebildung und Lehr-/Lernforschung (DoKoLL) wurde BNE bereits in einigen Vor- und Begleitseminaren des Praxissemesters implementiert und auch in einzelnen Lehrveranstaltungen ist BNE bereits Thema. Aus der Ständigen Komission des DoKoLL hat sich eine AG BNE gegründet, die 2025 die Tagung BNE - Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Lehrkräftebildung verankern zum TU-weiten Austausch ausgerichtet hat. Aktuell wird ein Konzept u.a. zur flächendeckenden Implementierung von BNE in den Lehramtsstudiengängen entwickelt.
Planspiel
Für einen ersten Einstieg in die Thematik und eine niedrigschwellige Implementierung von BNE in diverse bestehende Lehrformate hat die TU Dortmund eine Campuslizenz für das Planspiel sustain2030 erworben. Im Planspiel sustain2030 lernen die Teilnehmenden die Wirkbeziehungen zwischen den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) kennen und erlangen spielerisch einen Einblick in komplexe Entscheidungssysteme. Das Planspiel wird allen Lehrenden der TU Dortmund nach erfolgter Einführung durch das Nachhaltigkeitsbüro zur Verfügung gestellt. Es ist auch auf Englisch für internationale Veranstaltungen verfügbar.
Interaktive Grafik. Quelle: Nachhaltigkeitsbüro/TU Dortmund
Die Wirkbeziehungen sind folgender Liste zu entnehmen:
- SDG 1: SDG 3, 4, 10
- SDG 2: SDG 3, 6, 8, 13, 15
- SDG 3: SDG 3, 8, 10
- SDG 4: SDG 2, 9, 10, 12, 16
- SDG 5: SDG 1, 8, 9
- SDG 6: SDG 3, 14, 15
- SDG 7: SDG 11, 12, 13
- SDG 8: SDG 1, 3, 17
- SDG 9: SDG 2, 3, 7, 8, 12
- SDG 10: SDG 4, 10,16
- SDG 11: SDG 3, 4, 6, 10, 13
- SDG 12: SDG 6, 8, 9, 13, 15
- SDG 13: SDG 11, 13, 14, 15
- SDG 14: SDG 11, 14, 15
- SDG 15: SDG 6, 13, 15
- SDG 16: SDG 3, 17
- SDG 17: SDG 7, 10, 13, 16







