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Spotlight Forschung

„Daraus entwickeln sich enorm viele spannende Forschungsthemen“

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Das Bild zeigt eine Bildmontage zweier Portraitbilder von zwei Frauen. © Roland Baege​/​Patrick Kaut
Prof. Christiane Hellmanzik (l.) und Dr. Maren Kaliske (r.) forschen gemeinsam mit weiteren Kolleg*innen im Graduiertenkolleg (GRK) „Regional Disparities & Economic Policy“.
Prof. Christiane Hellmanzik erforscht an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften, welche Faktoren für die unterschiedliche ökonomische Entwicklung von Regionen besonders relevant sind. Seit 2019 arbeitet sie gemeinsam mit Kolleg*innen der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) im Graduiertenkolleg (GRK) „Regional Disparities & Economic Policy“, das 2024 erfolgreich verlängert wurde. Dr. Maren Kaliske promovierte in dem Kolleg zum Einfluss von CO₂-Emissionen auf den Handel innerhalb der Europäischen Union. Im Interview berichten beide von der Zusammenarbeit in einem Graduiertenkolleg.

Frau Hellmanzik, Frau Kaliske, womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung?

Christiane Hellmanzik: Ich interessiere mich für die Ursachen regionaler Ungleichheiten, denn daran lassen sich viele Fragen unserer Zeit festmachen. Wie unterscheidet sich die Altersstruktur der Bevölkerung, wie geht man mit Migration oder den Auswirkungen des Klimawandels um, wo entsteht neue Infrastruktur? Meist sind ökonomische Fragen eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen verknüpft und diese verlaufen eben regional unterschiedlich und haben zum Teil eine lange Geschichte. Momentan erforschen Prof. Jens Wrona von der Universität Duisburg-Essen und ich etwa, inwieweit sich die deutschen Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute auf Handelsbeziehungen auswirken. Hier stehen wir noch am Anfang, aber es zeichnet sich bereits ab, dass die Ausrichtungen und Schwerpunkte vieler internationaler Beziehungen aus den Besatzungszonen bis heute nachwirken – hierfür wurden die Weichen schon sehr früh gestellt. 

Maren Kaliske: In meiner Arbeit untersuche ich das Abstimmungsverhalten europäischer Mitgliedstaaten zur Regulierung CO2-intensiver Industriezweige: Bemühen sich die Staaten hier um eine gemeinsame politische Zielsetzung oder versuchen einzelne Mitglieder, als Standort für besonders emissionsintensive Industrien attraktiv zu werden, sich also einen „schmutzigen“ Wettbewerbsvorteil zu verschaffen? Im Ergebnis scheinen verbindliche Umweltabkommen im Rahmen der EU aber zu funktionieren und solche unliebsamen Effekte zu verhindern.

Das Graduiertenkolleg Regional Disparities & Economic Policy ist 2024 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für weitere vier Jahre verlängert worden – welche Erfahrungen nehmen Sie aus der ersten Phase mit und wie blicken Sie in die Zukunft?

Maren Kaliske: Für mich war die Promotion im Rahmen des Graduiertenkollegs auf jeden Fall ein großer Gewinn. Sicher, man braucht immer einen langen Atem für die Forschung, aber durch das breite Netzwerk im GRK habe ich viel Unterstützung erhalten und konnte trotzdem sehr eigenverantwortlich arbeiten. Ich glaube, das geht nur, wenn sich alle für ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zwischen Professor*innen und Doktorand*innen einsetzen.

Christiane Hellmanzik: Zusätzlich braucht es gute Strukturen, zum Beispiel für die Kommunikation  – was natürlich leichter fällt, wenn man sich als Team gut versteht. Ich glaube, das ist auch eine echte Stärke in diesem GRK: Wir sehen uns jede Woche, sprechen über Forschung, Betreuung, neue Projektideen. Das ist sehr arbeitsintensiv, klar, aber es zahlt sich aus: Wir sind als Gruppe im GRK zusammengewachsen und konnten unsere Ziele erreichen. Gleichzeitig gibt es aber auch noch viele unbeantwortete Fragen – denen widmen wir uns in den kommenden Jahren.

Welche Tipps würden Sie Kolleg*innen geben, die selbst ein Graduiertenkolleg beantragen wollen?

Christiane Hellmanzik: Es ist eine Teamleistung, das muss allen klar sein. Trotzdem braucht es auch immer einen Kapitän, der das Schiff auf Kurs hält, alles im Blick hat und die Crew mit entsprechender Passion motiviert und organisiert. Bei uns ist das mein Kollege Prof. Tobias Seidel von der Universität Duisburg-Essen. Sobald die grobe Richtung des GRK steht und alle Mitglieder für die Beantragung an Bord sind, beginnt die konkrete inhaltliche Arbeit. Wir haben uns dazu in kleinere Task-Forces und Arbeitsgruppen aufgeteilt. Das geht nicht nebenbei, da muss man schon Zeit investieren und auch rechtzeitig anfangen – mit den ersten Arbeiten am Fortsetzungsantrag haben wir zum Beispiel schon zwei Jahre vor Einreichungsfrist begonnen. Trotzdem, es lohnt sich für alle. Die Begleitung von spannenden Promotionen, die gemeinsame Diskussion über Inhalte und auch der Input der Promovierenden: Es entwickeln sich enorm viele spannende Forschungsthemen. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren.

Zur Person: Christiane Hellmanzik

  • 2005 B.Sc. Economics, University of Maastricht, Niederlande
  • 2006 M.A. Economics, University College Dublin, Irland
  • 2010 Promotion Economics, Trinity College Dublin
  • 2010–2011 Postdoc, Universität Heidelberg
  • 2011–2016 Juniorprofessur Economics, Universität Hamburg
  • seit Oktober 2016 Professur Urban, Regional and International Economics, TU Dortmund

Zur Person: Maren Kaliske

  • 2014–2017 Studium Political Science and Economics, Universität Münster
  • 2018–2019 Studium Economics, Trinity College Dublin
  • 2019–2024 Promotion Wirtschaftswissenschaften
  • seit 2022 Freiberufliche Unternehmensberaterin
  • seit 2024 Postdoc, Universität Duisburg-Essen

Weiterführende Informationen:

Förderberatung des Referats Forschungsförderung der TU Dortmund
Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinschaft


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